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| 15 Jahre Danach |
Wohl jeder weiß noch, was
er am 9. November 1989 gerade machte, als ihn die Nachricht erreichte,
in Berlin sei die Mauer geöffnet worden. Wer in der DDR lebte, erinnert
sich daran, wie er das Wochenende vom 30. Juni zum 1. Juli 1990 verbrachte,
als über Nacht die D-Mark kam und eines der meistgebrauchten DDR-Worte
für immer aus dem Sprachgebrauch verschwand: "Westgeld". Viele werden
auch noch wissen, wie sie den 3. Oktober 1990 verlebten, den Tag der deutschen
Einheit, der seitdem jedes Jahr ein Feiertag ist. Es war unsere beste Zeit,
sagen viele. Darin schwingt die
Erleichterung, ohne Blutvergießen
und ohne Gewalt das SED-Regime gestürzt zu haben. Darin schwingt aber
auch die Neugier auf eine gesamtdeutsche Zukunft, die damals so groß
war.
Der Zusammenbruch der DDR, der
heute zwangsläufig erscheint, war eine Überraschung. Noch bei
den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 glaubten viele, die
SED-Herrschaft sei unabänderlich.
Denn die Wahlen endeten mit dem üblichen "überwältigenden"
Ergebnis für die Einheitsliste der Nationalen Front. Aber schon damals
gab es einige, die aufstanden und mutig von Wahlbetrug sprachen.
Im darauffolgenden Sommer flüchteten
Tausende DDR-Bürger durch das erste Loch im Eisernen Vorhang an der
österreichisch-ungarischen Grenze. Andere flohen in die
Botschaften der Bundesrepublik
in Prag und Warschau. Die Welle der Ausreisewilligen war nicht mehr aufzuhalten.
Als Michail Gorbatschow, damals noch Generalsekretär der
KPdSU, zum vierzigsten Jahrestag
der DDR nach Berlin kam und Reformen anmahnte, war das Urteil über
die SED-Führung und ihre Verbündeten gesprochen. Ihren 41.
Jahrestag sollte die DDR nicht
mehr erleben. Tausende gingen auf die Straße und riefen: "Wir sind
das Volk."
Am 18. Oktober 1989 mußte
Erich Honecker zurücktreten. Die SED verlor ihre Macht so leicht,
als hätte man sie ihr schon immer nehmen können. Bei der Massendemonstration
auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989 schien es
für einen Augenblick, als
gäbe es genug politische Kräfte, die eine demokratische DDR wollten.
Fünf Tage später öffnete sich die Mauer. In Leipzig riefen
die Demonstranten: "Wir sind ein Volk." Was noch immer unvorstellbar war,
wurde spätestens bei der letzten Volkskammerwahl in der DDR am 18.
März 1990 klar: Die deutsche Einheit kommt schneller, als sich dies
irgend jemand hätte vorstellen können. Es war
die Zeit der großen Begeisterung,
die einen noch einmal durchfährt, wenn man die Bilder von damals sieht.
Jeder Tag wurde zum historischen Moment. (F.P.)